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18/09 2007

Schwabenpower und „Danish Dynamite“


Handball: Die Waiblingerin Nadine Krause wurde in Kopenhagen als „Welthandballerin des Jahres“ ausgezeichnet

Von unserem Mitarbeiter Jürgen C. Braun
Schwabenpower und „Danish Dynamite“: Nadine Krause (25), die beim VfL Waiblingen das Handballspielen gelernt hatte, wurde eine Ehrung zuteil, die noch nie vor ihr eine deutsche Handballerin erhalten hatte: Vor dem ersten Liga-Heimspiel ihres neuen Klubs HC Kopenhagen wurde die Nationalspielerin als „Welthandballerin des Jahres“ ausgezeichnet.


Große Ehrung für die Waiblingerin Nadine Krause: Gerrit Pfurr vom Titelsponsor überreicht der Nationalspielerin den Pokal „Welthandballerin des Jahres“. Bild: Braun


„Die Karten hatte ich schon lange vorher, weil ich mir Nadines erstes Spiel ansehen wollte“, sagte Monika Krause, Mutter der Geehrten. „Dass ich jetzt Zeuge wurde, wie meine eigene Tochter als beste Handballerin der Welt im vergangenen Jahr ausgezeichnet wurde, konnte ich nicht ahnen. Ich glaube, ich war heute aufgeregter als Nadine selbst.“ Monika Krause, die ihre Tochter zu großen Turnieren wie Welt- oder Europameisterschaften öfter begleitet oder sie mit ihrem Mann Jürgen dort besucht, war schon mächtig stolz auf die Tochter, der in Kopenhagen ein „Großer Bahnhof“ bereitet wurde. Der Vater, Trainer des Zweitliga-Aufsteigers VfL Waiblingen, war beruflich unabkömmlich.

Die Mutter war nicht die einzige Verstärkung aus der Heimat, die im hohen Norden Zeuge der Auszeichnung wurde. Auch die Eltern ihrer Mannschaftskollegen Maren Baumbach standen in der Halle und applaudierten. Maren, Mitspielerin Nadines in der Nationalmannschaft, jetzt beim HC Kopenhagen und in jungen Jahren gemeinsam beim VfL Waiblingen, musste allerdings verletzt zuschauen. Damit lag die Last der Schwabenpower an diesem Abend alleine auf den Schultern von Nadine Krause. Dass sie nur eine Kopie des eigentlichen Pokals erhielt, weil am Original beim Transport der Fuß abgebrochen war, störte die Torschützenkönigin der beiden vergangenen Welt- und Europameisterschaften nicht. „Der Pott ist nicht schön, aber wichtig“, sagte sie.

Den Titel als Welthandballerin des Jahres sieht Nadine Krause aber nur als Durchgangsstation. „Das ist sicher eine tolle Sache, aber nur ein weiterer Schritt in meiner Entwicklung. Ich will noch mehr.“ Für sie selbst kam die Wahl zur Welthandballerin unerwartet. „Es war schon überraschend für mich, als ich erfuhr, dass ich gewonnen habe“, sagte Krause, die den mächtigen Ehrenpokal vor der Partie des FC Kopenhagen gegen Fredrikshavn überreicht bekam. Sie sei schon etwas nervös gewesen - aber nicht wegen der Ehrung vor der Partie. „Es war mein erstes Heimspiel für den FCK, und zudem standen wir nach der Auftakt-Niederlage schon unter Druck“, sagte die Rückraumspielerin.

Krause lebt mittlerweile seit zwei Monaten in Dänemark und fühlt sich offenbar wohl. „Die Mannschaft und das Umfeld machen alles, damit man sich schnell integrieren kann.“ Gemeinsam mit Maren Baumbach will sie in die Phalanx der vier besten Mannschaften Dänemarks eindringen. Die ersten Schritte sind getan: Im Pokal stehen Krause & Co. im Halbfinale, in der Liga gelang auch dank der neun Treffer der Welthandballerin der erste Erfolg (31:26). „Nadine hat sich bis jetzt schon toll entwickelt“, lobte der Kopenhagener Trainer Thomas Hylle seinen Neuzugang.

Auf internationaler Ebene will Nadine im Dezember angreifen und bei der Weltmeisterschaft in Frankreich das lang ersehnte Edelmetall holen. „Wir waren bei der EM 2006 so nahe dran, jetzt sind wir reif für eine Medaille“, sagte die Rechtshänderin, die ihren „Pott“ nach dem Spiel gemeinsam mit der Mutter nach Hause trug. Sie wohnt nur ein paar Minuten von der Halle weg. Im Frauenhandball ist halt vieles noch eine Nummer kleiner, aber auch ein Stück familiärer und persönlicher als bei den männlichen Fußballkollegen. Man stelle sich einmal vor, Ronaldinho müsse seine Trophäe als „Weltfußballer des Jahres“ nach der Partie Barcelona gegen Real selbst in seine schmucke Zweizimmer-Wohnung in der Nähe des „Nou Camp“ tragen. Irgendwie schwer vorstellbar.